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Sojaschalen in der Pilzzucht - Ihre Stärken und mögliche Alternativen

edelpilzeshop

In der Welt der Pilzzucht dreht sich vieles um das perfekte Substrat – die Grundlage, auf der sich das Myzel ausbreitet und kräftige Fruchtkörper bildet. Während Holzspäne, Stroh und Getreidekleie bewährte Zutaten sind, gibt es einen oft übersehenen Rohstoff, der erstaunliche Vorteile bietet: die Sojaschale.

Diese unscheinbare Hülle, die die Sojabohne umgibt, ist ein Nebenprodukt der Lebensmittel- und Futtermittelindustrie – und doch ein wahres Kraftpaket für die Pilzzucht. Aber was macht sie so besonders? Welche Inhaltsstoffe fördern das Wachstum von Pilzen besser als andere Zuschlagstoffe? Und wie kann sie in der Praxis eingesetzt werden, um Erträge zu maximieren? Und vor allem: Welche Alternativen sind ihr ebenbürtig?

Tauchen wir ein in die faszinierende Welt der Sojaschalen und entdecken, warum sie ein Gamechanger für Pilzzüchter sein könnten.




Meine Mission: Das perfekte Substrat


Wie jeder Pilzzüchter, so war auch ich vor langer Zeit auf der Suche nach dem perfekten Substrat für unsere hochwertigen Kulturen von edelpilze.shop. Natürlich verrät einem beginnenden Pilzzüchter niemand seine geheime Zusammensetzung, die Substratrezepte sind ein gut gehütetes Geheimnis, sind sie doch entscheidend für den Erfolg und der Ertrag eines Substrats ist das Unterscheidungsmerkmal vom einen Hersteller zum anderen. Neben den üblichen Grundkomponenten und deren ungefähre Zusammensetzung, die man im Internet überall zu lesen bekommt, und mit denen jeder wengistens einen mittelmäßigen Erfolg zustande bringt, gibt es in der Welt der Pilzzucht eine vielzahl von Rohstoffen und Kompositionen, die in Frage kommen. Holz als Grundlage, Weizenkleie als Zuschlag, etwas Gips oder Kalk - so weit sind die Meisten noch gekommen, wenn man sich in der Welt der nährstoffreichen Substrate in Verbindung mit langer Pasteurisation oder sogar Sterilisation im Dampfkochtopf oder Autoklaven bewegt. Meine Mission war es von Anfang an, ein besseres, nährstoffreicheres Substrat zu entwickeln, das aber allem voran bestmöglich an die Bedürfnisse der Pilze angepasst ist.


Diese Nährstoffe sind für Pilze essentiell


Alle Bestrebungen, ein besseres Substrat herzustellen, resulitieren letztendlich im Versuch, den natürlichen Lebensraum bestmöglich nachzubilden, oder sogar zu übertreffen, weswegen wir außer Holz ja noch Nährstoffzusätze beimischen. Pilze benötigen vor allem:


Kohlenhydrate (Energiequelle) → Zellulose, Hemicellulose, Stärke


Stickstoff (Proteinquelle) → Aminosäuren, Peptide


Mineralstoffe → Magnesium, Kalium, Phosphor


Ballaststoffe & Strukturstoffe → Lignin, Rohfaser Die Rohstoffe zu finden, die die ideale Komposition dieser Stoffe aufweisen, ist die Kunst, an der sich Pilzzüchter seit Generationen üben. Dann kommen noch wirtschaftliche Fragen hinzu und die generelle Verfügbarkeit und auch Verarbeitbarkeit von Materialien, doch dazu später mehr.


Master's Mix von TR Davis


Auf der Suche nach dem "Super-Substrat" bin ich natürlich auch nicht an Amerika vorbei gekommen. Viele amerikanische Pilzzüchter zeigen fast selbstlos und freimütig ihre Produktionsweisen und das ein oder andere kleine Geheimnis auf Youtube, ein Wissensquell für Neulinge. Nebenbei bemerkt, der Öffentlichkeit die Pilzzucht zugänglich zu machen und viel Wissen auf Social Media zu vermitteln, haben wir uns auch zur Aufgabe gemacht, wie unser Youtube-Kanal @edelpilze beweist.

So hat es nicht lange gedauert, bis ich auf TR Davis und sein "Masters Mix" gestoßen bin. Eine Mischung aus 50% Sojaschalen und 50% Holzpellets, die unfassbare Erträge auf engstem Raum bieten soll und die Pilzzucht offenbar revolutionieren könnte. Doch wie gut ist die Mischung wirklich, sind die Rohstoffe verfügbar, gibt es Schwierigkeiten mit dem Substrat? Diese und viele andere Herausforderungen stellten sich mir und ich möchte von meinen Erfahrungen berichten, vor allem aber Argumente für und wider aufzeigen und einen Überblick über Alternativen geben.


Viele Optionen, viel Verwirrung


Was in Amerika klappt, muss ja nicht zwangsläufig in Deutschland funktionieren, denn in der Pilzzucht sind sehr oft regional verfügbare Rohstoffe der ausschlaggebende Faktor für eine unterschiedliche Substratkomposition. In Amerika wird sehr viel Soja angebaut und verarbeitet, daher sind in bestimmten Gebieten die Sojaschalen ein allgegewärtiger Rohstoff, der preiswert verfübar ist.


In Deutschland sieht die Sache anders aus, es wird zwar mehr und mehr Soja angebaut, weil sie eine robuste und Ertragreiche Pflanze ist. Die verarbeitende Industrie muss aber auch die Nebenprodukte, wie die Sojaschale, liefern und das noch in der gewünschten Qualität. Für meine Ansprüche und für unsere Kunden natürlich nur das Beste, also ungespritzt, gentechnikfrei, möglichst regional, frei von Verunreinigungen - eine Herausforderung, wenn das ganze noch zu einem wirtschaftlichen Preis geschehen soll.


Daher weichen viele Züchter auf Produkte aus, die verfügbarer und preiswerter sind.

Hier sticht in Deutschland vor allem die Weizenkleie hervor. Abfallprodukt der Mehlverarbeitung, verfügbar, billig. Aber auch mit Nachteilen behaftet. Hier stellt sich die Frage, welche Rohstoffe überhaupt in Frage kommen. Wie gut eignen sich die Stoffe generell in der Pilzzucht, und sind sie überhaupt vergleichbar?

Soja, Weizen und Co....


Je nachdem, ob man mehr Ballaststoffe (Struktur) oder Nährstoffe (Stickstoff, Kohlenhydrate) sucht, kommen verschiedene Materialien infrage:


1️. Sojaschalen

  • Sehr ausgewogene Nährstoffverteilung

  • große Erntemengen

  • scheint ideal geeignet für die Pilzzucht

2. Weizenkleie 🌾 (nährstoffreich, stickstoffhaltig)

  • Hoher Proteingehalt (14–18%)

  • Gute Kohlenhydratquelle (Stärke & Hemicellulose)

  • Wird oft als Zuschlagstoff für Pilzsubstrate verwendet

3. Reiskleie 🍚 (ähnlich wie Weizenkleie, aber feiner)

  • Enthält mehr Fett und Lignin als Weizenkleie

  • Liefert Kohlenhydrate & Aminosäuren

  • Fördert Pilzwachstum, aber dosiert einsetzen (Schimmelgefahr)

4. Sonnenblumenschalen 🌻 (strukturreich, ligninhaltig)

  • Höherer Rohfaser- & Ligningehalt als Sojaschale

  • Weniger Stickstoff als Weizenkleie, aber gut für Myzelstruktur

5. Erbsenschalen 🌱 (ähnliche Rohfaserwerte)

  • Enthält Cellulose, Hemicellulose & Pektine, ähnlich wie Sojaschalen

  • Guter Stickstofflieferant, aber weniger verbreitet


Hier kommen jetzt verschiedene Betrachtungen zum Tragen. --> Ist das Material verfügbar? --> Ist es preiswert?

--> Stimmt die Qualität? --> Welche Nachteile hat das Material, welche Kompromisse muss man eingehen? Diese Abwägung kann nur individuell getroffen werden. Hier ist eine Liste von Vor- und Nachteilen der aufgeführten Stoffe für die Pilzzucht:

Vor- und Nachteile verschiedener Zuschlagstoffe in der Pilzzucht

Zuschlagstoff

Vorteile

Nachteile

Sojaschalen

- Hoher Proteingehalt (bis zu 15 %)


 - Enthält viele Ballaststoffe und Lignin


 - Gute Stickstoffquelle für Myzelwachstum

- Etwas höherpreisig

- Hoher Fettgehalt kann Schimmelbildung fördern, darf deshalb nicht zu viel Bohnenanteil enthalten, möglichst reine Schale

Weizenkleie

- Hoher Nährstoffgehalt (Proteine & Mineralien)


 - Fördert schnelles Myzelwachstum


 - Günstig & weit verbreitet

- Kann leicht kontaminiert werden

- Fördert Bakterienwachstum, wenn zu viel verwendet wird - Macht das Substrat sehr klebrig

Reiskleie

- Reich an Vitaminen & Spurenelementen


 - Langsame Nährstofffreisetzung


 - Gute Wasserbindung

- Hoher Fettgehalt kann zur Oxidation führen - schlechte Verfügbarkeit

 - Neigt zur Klumpenbildung

Sonnenblumenschalen

- Hoher Rohfasergehalt für Myzelstruktur


 - Unterstützt die Belüftung des Substrats


 - Preiswert & nachhaltig

- Niedriger Proteingehalt - zu luftiges Substrat

 - Kann zu trocken sein - kaum erhältlich - zu mager an Proteinen

Erbsenschalen

- Gute Kohlenhydrat- und Faserquelle


 - Enthält nützliche Aminosäuren


 - Fördert gleichmäßiges Wachstum

- Kann schwer abgebaut werden


 - Nicht immer leicht verfügbar

Als erstes Zwischenfazit kann an direkt erkennen: Oft scheitert es an der Verfügbarkeit, und wenn regional doch einmal eine günstige Ware anfällt, so kommt sie, wie z.B. bei Sonennblumenschalen, dann doch mit Nachteilen daher, die in Kauf genommen werden müssen. Die Sojaschale sticht positiv hervor, auch wenn sie ihren Preis hat, so ist das Ergebnis doch sehr überzeugend. Auch ein Grund, warum unsere komplette Produktion auf Soja basiert.


Diese Inhaltstoffe macht die Sojaschale in der Pilzzucht so begehrt


Optimale Hemicellulose-Konzentration → leicht verwertbare Energiequelle für Pilze


Gute Stickstoffquelle → fördert schnelles Myzelwachstum, aber ohne Stickstoffüberschuss


Ausgezeichnete Struktur → genügend Rohfaser für Belüftung, ohne zu viel Lignin


Material

Hemicellulose (%)

Protein (%)

Rohfaser (%)

Lignin (%)

Besonderheit

Sojaschale 🌱

25–30

12–16

35–45

4–6

Perfektes Gleichgewicht zwischen Nährstoffen & Struktur

Weizenkleie 🌾

20–25

14–18

10–12

3–5

Sehr proteinreich, muss dosiert werden

Reiskleie 🍚

18–22

12–16

10–15

4–6

Mehr Fett, leicht verderblich

Sonnenblumenschalen 🌻

15–20

8–12

35–50

8–12

Hoher Rohfaseranteil, aber mehr Lignin

Deshalb bieten wir bei edelpilze.shop Substrate mit Sojaanteil an, aber auch die Rohware, die Sojaschalenpellets gibt es bei uns in bester Qualität eigens für uns produzert zu kaufen.



Gerade das Fertigsubstrat - unsere eigene abgewandelte und verbesserte Rezeptur des amerikanischen Lieblingsrezeptes Masters Mix hat es in sich. Wir bieten es unbeimpft an, damit alle Hobbypilzzüchter, die nicht die Möglichkeiten ausreichender Sterilisation haben, auch in den Vorzug eines wirklich starken, hochnährstoffreichen Substrates für ihre Zucht kommen. Die Sojaschalenpellets sind platzsparend gepresst, lösen sich leicht auf, bestehen ausschließlich aus gentechnikfreiem Soja aus Deutschland oder Österreich, das während des Anbaus nicht gespritzt wurde. Aber warum verwenden wir eigentlich sehr nährstoffreiche Substrate? Die Zucht auf reinem Stroh oder Holz gelingt doch auch?


Das perfekte Substrat - reines Stroh oder sterilisierte Mischungen?

In der Pilzzucht dienen Zuschlagstoffe dazu, das Nährstoffprofil des Substrats gezielt zu verbessern und das Myzelwachstum zu optimieren. Reines Holz oder reines Stroh allein bieten oft nicht die ideale Mischung aus Kohlenhydraten, Proteinen und Mineralstoffen, die Pilze für eine gesunde Entwicklung benötigen.

Holz ist zwar eine hervorragende langfristige Energiequelle, enthält jedoch wenig Stickstoff, was das Wachstum verlangsamen kann. Stroh wiederum ist zwar strukturgebend und erleichtert die Durchlüftung, bietet jedoch nur begrenzte Nährstoffe.

Durch die Zugabe von Zuschlagstoffen wie Kleie, Sojaschalen oder Erbsenschalen kann das Substrat gezielt mit Proteinen, Vitaminen und Spurenelementen angereichert werden, wodurch eine gleichmäßigere, schnellere Kolonisierung und eine höhere Pilzausbeute erreicht werden. Vorallem die Ausbeute des Substrates erhöht sich signifikant. Ich hoffe, Ihnen nützen die Hinweise dieses Artikels. Heben Sie mit einem guten Substrat Ihre (Hobby-)Pilzzucht auf das nächste Level! www.edelpilze.shop






 
 
 

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